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Karneval, Fastnacht oder Fasching
Als Karneval, Fastnacht oder Fasching bezeichnet man
einen Brauch,
nämlich die Zeit der Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumenden
Lebensfreude bis zum
Aschermittwoch. Regional unterschiedlich gewichtet lassen sich mehrere
Gründe für die Entstehung und die spätere Ausprägung nennen. Im
deutschsprachigen Raum ist durch die historisch christliche Ausprägung
verbreitet von der Zeit vor der Enthaltsamskeit bzw.
Fastenzeit
die Rede. Seit den Achtziger Jahren soll nach neueren Forschungen eine
christianisierte Form der Winteraustreibung zu verwerfen sein. Spätere Einflüsse
nahmen insbesondere der Lokalpatriotismus, die
Narretei und die
Verhöhnung der französischen Besatzung. Ihren Ausdruck findet diese Zeit
insbesondere in den
Karnevals-, Fastnachts- und Faschingshochburgen der Welt. Zu diesen drei
hochdeutschen Begriffen sind im Folgenden die zahlreichen mundartlichen
Abwandlungen und weiter unten auch die ebenso zahlreichen verschiedenen
Ausprägungen des Brauchtums an sich aufgeführt.
Bedeutung
Fastnacht, Fastelabend
Das Wort Fastnacht und seine regionalen Abwandlungen werden vor allem
in Hessen und
Rheinhessen, in
Franken, in der
Pfalz, am
Mittelrhein sowie in
Baden,
Schwaben,
dem Saarland,
Luxemburg
, der Schweiz
und den westlichen Landesteilen
Österreichs (Alpenraum) verwendet.
Regional heißt es in
Mainz
Fas(s)enacht, in der Schweiz Fasnacht, in Baden und Schwaben
Fasnet, regional auch F(a)asent und in Luxemburg Fuesend.
Weitere sprachliche Ausprägungen sind Fosnet und Fassend.
Die Fastnacht mutiert in und um Hamburg zum Fastelabend oder
plattdeutsch
Faslam.
Auch im Großraum Köln wird in der
kölschen Mundart auch Fastelov(v)end oder Fasteleer verwendet,
während man dort im Hochdeutschen ausschließlich von Karneval spricht.
Volksetymologisch wird das Wort Fastnacht oft an das
althochdeutsche fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht, Vorabend)
angeschlossen und angegeben, der Name bezeichne ursprünglich nur den Tag vor
Beginn der Fastenzeit, ab dem
15. Jahrhundert auch die Woche davor. Eine andere
Volksetymologie stellt eine Verbindung zum Wort "Fass" her. Der Vergleich
der Dialektwörter ergibt jedoch eine gemeinsame Wortform der Gestalt *fasanaht,
die diese Interpretationen widerlegt. Die Bedeutung des Vorderglieds fasa-
bleibt unklar. Am wahrscheinlichsten scheint zwar ein Anschluss an eine
indogermanische Verbalwurzel *pwos- mit der Bedeutung "reinigen, läutern,
fasten", manchmal wird es aber auch an faseln beziehungsweise
mhd. vase "dummes Zeug; Faser, Franse" angeschlossen. Wieder andere
Forscher sprechen von den
mittelhochdeutschen Wörtern vasen (sich fortpflanzen), vaselen
(gedeihen, fruchten) oder auch Fasel, einem Begriff für ein
geschlechtsreifes Rind oder Schwein, und versuchen so, den Ursprung von
vorchristlichen Fruchtbarkeitsfesten abzuleiten.
Siehe auch:
Schwäbisch-alemannische Fastnacht
Fasching
Das Wort Fasching taucht im hochdeutschen bereits ab dem 13.
Jahrhundert zunächst in den Formen vaschanc und vaschang auf.
Etymologisch[1]
leitet sich Fasching, Vaschang vom "Fastenschank" her, also dem letzten
Ausschank (alkoholischer Getränke) vor der damals noch strengen Fastenzeit.
Darauf verweist auch die
mittelniederdeutsche Form vastgang, beziehungsweise die
(spät)altnordische
Form fostugangr für den Beginn der Fastenzeit. Die Angleichung an Wörter
mit -ing ist deutlich jünger.
Vom Fasching spricht man vor allem in
Bayern,
Österreich
und
Franken. In
Sachsen und
Brandenburg finden sich zwar verbreitet Karnevalsvereine, das Brauchtum an
sich bezeichnet man regional auch als Fasching.
Karneval
Nördlich der Linie
Bonn-Erfurt
gibt es in Deutschland fast ausschließlich Karnevalsvereine, die Veranstaltung
nennt man hingegen in
Sachsen und
Brandenburg auch Fasching. Verbreitet bezieht man den Karneval jedoch in
erster Linie auf den rheinischen Karneval (siehe:
Kölner Karneval,
Düsseldorfer Karneval,
Eschweiler Karneval,
Aachener Karneval). Die Herkunft des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt.
Herleitungen weisen auf
- mittellat.: carnelevale (-levare) die mit der
Fastenzeit bevorstehende „Fleischwegnahme“;
- Im
19. Jahrhundert wurde der Begriff auch auf das römische, vorchristliche
lat. carrus navalis Schiffskarren, ein Schiff auf Rädern, das bei
jährlichen Umzügen zum Wiederbeginn der Schifffahrt durch die Straßen geführt
wurde, zurückgeführt. Hieraus soll sich die Tradition des
Narrenschiffs gebildet haben. Jedoch ergaben Forschungen, dass das Wort
carrus navalis im klassischen
Latein nicht
existierte.
Der Begriff Karneval findet sich auch im international Sprachraum,
wird aber sehr unterschiedlich gefeiert. Karnevaleske Strukturen des
Maskierens,
Verkleidens und ritualisierter Ausgelassenheit lassen sich in allen Kulturen
finden. Bekannt sind unter anderem der
Karneval in Rio,
Karneval in Venedig und der
Karneval von Québec. Auch in den Südstaaten der
USA gibt es eine
ausgeprägte Karnevalstradition. Man verwendet hier die französische Bezeichnung
Mardi
Gras (Fetter Dienstag, Fastnachtsdienstag). Eine ganz
eigenständige, bemerkenswerte Vitalität entwickelte der Karneval in
Lateinamerika.
Zeitlicher Verlauf
Beginn
Als Beginn der Fastnachtszeit galt bzw. gilt in den deutschsprachigen Ländern
traditionell der
Dreikönigstag.
Seit dem 19. Jahrhundert finden in vielen Gegenden zusätzlich am
11.
November, ab 11:11 Uhr, einzelne Veranstaltungen statt, zu denen
insbesondere die Vorstellung des Prinzenpaars gehört. Hintergrund ist, dass auch
das
Geburtsfest Christi bereits kurz nach dessen Fixierung im Jahr
354 eine vorangehende
40tägige Fastenperiode vorsah, vor deren Beginn man - wie vor Karneval -
ebenfalls die später verbotenen Fleischvorräte aufzuzehren pflegte (Gansessen am
11. November, dem "Martinstag").
Die Zeit vom 12. November bis 5. Januar bleibt aber selbst in den Hochburgen
entlang des Rheins weiterhin weitgehend karnevalsfrei, was sich aus der
erwähnten vorweihnachtlichen Fastenzeit, der Rolle des
Novembers
als Trauermonat und dem besinnlichen Charakter des
Advent erklärt.
Soweit von einer "Vorverlagerung" des Karnevalsbeginns oder von einer
"Saisoneröffnung" am 11. November gesprochen wird, ist dies daher zumindest
irreführend. Von seiner Entstehungsgeschichte her stellt der 11. November
vielmehr einen zweiten, "kleinen" Karneval dar.
Höhepunkt
Den Höhepunkt erreicht die Fastnacht in der eigentlichen Fastnachtswoche vom
schmutzigen/unsinnigen oder auch glombiga Donnerstag (von Schmotz =
Schmalz, was auf in Schmalz gebackene Fastnachtsküchle hinweist) bzw.
Weiberfastnacht über den
Nelkensamstag,
Tulpensonntag,
Rosenmontag bis zum
Fastnachtsdienstag, auch Veilchendienstag genannt. Dabei gibt es
insbesondere am Rosenmontag entsprechende Umzüge - wobei sich Rosen
ursprünglich nicht auf die Blume, sondern auf das Verb rasen bezog.
Anderen Interpretationen zufolge verdankt der Rosenmontag seinen Namen dem
vierten Fastensonntag, dem
Rosensonntag.
Die größten Umzüge finden in den
Karnevalshochburgen statt: Köln, Mainz, Düsseldorf, Eschweiler, Euskirchen,
Bonn, Koblenz, Krefeld, Aachen und Dülken. Aber auch weiter südlich, etwa in
Frankfurt am Main (Fastnachtssonntag), Mannheim (Fastnachtssonntag) ,
Wombach
(Fastnachtssonntag) oder Karlsruhe (Fastnachtsdienstag) gibt es große Umzüge mit
mehreren Hunderttausend Besuchern. Als der größte Umzug im norddeutschen Raum
ist der traditionelle
Schoduvel in Braunschweig (Fastnachtssonntag) bekannt.
In den Stadtteilen, Städten und Dörfern um diese Hochburgen herum gibt es
Umzüge am Samstag (Nelkensamstag), Sonntag (Orchideen- oder Tulpensonntag)
und Dienstag (Veilchendienstag). In Duisburg-Hamborn findet seit Jahrzehnten am
Karnevalssonntag der größte Kinderkarnevalszug Europas statt.
In der Nacht zu Mittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und es gibt
an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine
Strohpuppe, den so genannten
Nubbel, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage, vor
allem wegen des ausgegebenen Geldes, verbrennen. In Düsseldorf und den
niederrheinischen Städten (Krefeld, Duisburg, Mönchengladbach, Kleve, Wesel)
wird der so genannte
Hoppeditz
zu Grabe getragen. Dieser war ursprünglich eine typisch niederrheinische
Narrenfigur. Dieser Schelm oder Hanswurst hatte Ähnlichkeit mit
Till Eulenspiegel und den mittelalterlichen
Hofnarren. So
wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert am Niederrhein der kleinen
Leute Brauch war, in der Nacht auf Aschermittwoch ausgerüstet mit Stangen, an
denen Würste hingen, durch die Straßen zu laufen und lustige Lieder zu singen.
Ende
Ende des Karnevals ist der
Aschermittwoch. Sein Termin hängt insofern mittelbar von der Lage des
Osterfests ab:
325 wurde auf dem
Konzil von Nicäa das
Osterdatum
auf den ersten
Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 führte Papst
Gregor der Große eine 40tägige Fastenzeit vor Ostern ein, die an die Zeit
erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser
Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern (Invocavit
oder Dominicia Quadragesima, im Deutschen auch
Funkensonntag).
Mit dem
Konzil von Benevent im Jahr
1091 wurden die
sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der
Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch.
Noch bis ins
16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte „Burefasnacht“
(Bauernfastnacht) und die neue „Herren-“ bzw. „Pfaffenfastnacht“ konkurrierend
nebeneinander. Insbesondere im
badischen Raum als auch in der
Schweiz haben
sich viele Bräuche der alten Fasnacht erhalten. Am bekanntesten ist davon
sicherlich die
Basler Fasnacht. Diese beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4.00 Uhr mit
dem
Morgestraich und endet am folgenden Donnerstag Morgen, ebenfalls um 4.00
Uhr. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich auch, dass sich der Termin der
protestantischen Basler Fasnacht - wie oftmals geschrieben - keineswegs auf die
Reformation bezieht, sondern auf obige Begebenheit.
Im
orthodoxen Raum beginnt das volle Fasten bereits am Montag nach dem 7.
Sonntag vor Ostern, und bereits eine Woche vorher beginnt der Fleischverzicht.
Die russische „Butterwoche“, in der traditionell gefeiert wird und große Mengen
Blini, eine Art
Pfannkuchen gegessen werden, liegt dazwischen; andere osteuropäische Länder
haben ähnliche Bräuche. Da das östliche Osterfest oft später ist als das
westliche - beruhend auf der westlichen Reform des
Kalenders,
verschiebt sich auch die Fastnacht.
Insgesamt wird der Karneval vielfach auch scherzhaft als Fünfte Jahreszeit
bezeichnet.
Räumliche Einordnung
Der Karneval findet fast ausschließlich in katholischen, in abgewandelter
Form auch in
orthodoxen Gebieten statt. Dieses hängt sicherlich nicht nur mit der
Fastenzeit
zusammen, sondern auch mit dem früher stärker vorherrschenden
Katholizismus als Lebensform.
Hochburgen sind also in Deutschland das
Rheinland,
Rheinhessen,
Südhessen,
Münsterland,
Franken und
Baden-Württemberg, in Luxemburg
Diekirch,
Echternach
und Remich,
sowie in der
Schweiz Basel
und Luzern, in
den Niederlanden (Provinz Limburg, Vastelaovend). Berühmt ist ferner der
Karneval von
Venedig sowie der
Mardi Gras
in New
Orleans. Der Karneval ist auch in
Südamerika
verbreitet; besonders der
Karneval in Rio in Brasilien und der
Karneval von Barranquilla in Kolumbien sind weltbekannt.
Mit der
Reformation im 16. Jahrhundert verschwand in den überwiegend evangelischen
Gebieten mit dem Aschermittwoch auch die Fastnacht. Eine Ausnahme war Basel, wo
die Fasnacht nie dauerhaft abgeschafft wurde (siehe oben Karnevalstermin
und
Basler Fasnacht). Erst im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde in vielen
evangelischen Städten wieder eine Fastnacht eingeführt.
Geschichte
In der Antike
Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren im
Zweistromland gefeiert, im Land mit den ersten urbanen
Kulturen. Eine
altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt Kunde davon, dass
unter dem Priesterkönig
Gudea ein
siebentägiges Fest gefeiert wurde und zwar nach
Neujahr als
symbolische
Hochzeit eines
Gottes. Die Inschrift besagt: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen.
Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der
Sklave an
seines Herrn Seite. Die
Mächtige und der
Niedere sind gleichgeachtet.“ Hier wird zum ersten Mal das
Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert und dies ist bis
heute ein charakteristisches Merkmal des Karnevals.
In allen Kulturen des Mittelmeerraumes lassen sich ähnliche Feste, die meist
mit dem Erwachen der Natur im
Frühling
in Zusammenhang stehen, nachweisen: In
Ägypten
feierte man das ausgelassene Fest zu Ehren der Göttin
Isis und die
Griechen
veranstalten es für ihren Gott
Dionysos.
Die
Römer schließlich feierten vom 17. Dezember bis 19. Dezember die
Saturnalien zu Ehren ihres Gottes
Saturn. Das Fest war verbunden mit einem öffentlichen Gelage, zu dem
jedermann aus jeder Gesellschaftsschicht eingeladen war. Hinrichtungen wurden
während der Saturnalien hinten angestellt. Sklaven und Herren tauschten
zeitweise die Rollen, feierten und saßen gemeinsam
myrtenbekränzt bei Tische, tranken und aßen nach Herzenslust, konnten jedes
freie Wort wagen und überschütteten sich mit kleinen
Rosen. Aus den
Rosen entstand möglicherweise das in unseren Tagen bekannte
Konfetti.
Die Römer veranstalteten auch farbenprächtige Umzüge, bei denen ein geschmückter
Schiffswagen umhergezogen wurde.
Jedoch werden in der aktuellen Forschung Termine wie
Saturnalien oder
Lupercalien als Ursprung des Fastnachtsbrauchtums stark angezweifelt. In
vielen Masken, Figuren und Bräuchen scheinen sich auch vorchristliche, z.B.
keltische Riten
erhalten zu haben, die den Wechsel vom kalten Winterhalbjahr in das warme und
fruchtbare Sommerhalbjahr beinhalten. Den Winter hätte man versucht zu
vertreiben, indem man sich als Geister, Kobolde und unheimliche Gestalten aus
der Natur verkleidete und mit Holzstöcken wild um sich schlug bzw. mit einer
Rassel oder
Ratsche (Schnarre) Krach machte. Die neuere Forschung bezweifelt
mittlerweile auch die germanische Theorie: Sie führt an, dass sich Bräuche und
Feste nicht mit einer Unterbrechung von mehreren Jahrhunderten überliefert haben
könnten und gehen daher von der heutigen Fastnacht als einem christlichen Fest
aus.
Germanische Theorien (sog. Kontinuitätsprämissen) hatten insbesondere
während des
Nationalsozialismus Konjunktur, werden heute aber teilweise unbewusst noch
immer zitiert. Die Skepsis gegenüber allen Theorien, die eine Überlieferung
germanischen oder keltischen Brauchtums annehmen, hält - verständlicherweise -
seit dem
Zweiten Weltkrieg ungebrochen an.
Es ist aus diesem Grund davon auszugehen, dass über mehrere Jahrhunderte
keine Feste ähnlich der Fastnacht stattfanden, sondern diese eher im hohen und
späten Mittelalter mit der Fastenzeit entstanden.
Im Mittelalter
Im mittelalterlichen Europa feierte man - zwar in Kirchen, jedoch nicht
kirchlich - „Narrenfeste“ vom
12. Jahrhundert bis zum Ende des
16. Jahrhunderts um den
Epiphaniastag
(6. Januar).
Dabei übernahmen die unteren
Kleriker
vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale
wurden parodiert; selbst ein „Pseudopapst“ wurde gekürt, am
28.
Dezember, am Tag der unschuldigen Kinder, wurde oftmals ein
Kinderbischof gekürt, welcher dem Rollentausch ähnlich dem „Pseudopapst“
gleichkam. In Gestalt von Prozessionen wurden auch die Bewohner der Städte am
Fest beteiligt. Auch während der eigentlichen Karnevalstage waren Narren- oder
Eselsmessen
weit verbreitet.
Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die
augustinischen Lehren vom
Zwei-Staaten-Modell zurückgeführt. Die Fastnacht steht daher für die
civitas diaboli, den Staat des Teufels. Daher wurde die oftmals ausartende
Fastnacht von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass
die civitas diaboli wie auch der Mensch
vergänglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch
musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu
verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der
Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den
Aschermittwoch hinein streng verfolgt.
Insbesondere im ausgehenden
14. und
15. Jahrhundert wurde im deutschen Raum Fastnacht gefeiert, so z. B. die
Nürnberger
Schembartläufe. Um diese Zeit fand auch der
Narr Einzug in die
Fastnacht, der im didaktischen Sinne der Fastnacht auf die
Vergänglichkeit hinweisen sollte.
In manchen Fastnachten - insbesondere in Tirol - wird vor diesem Hintergrund
bereits am Fastnachtsdienstagabend zum „Betzeitläuten“ die Maske um sechs Uhr
abgelegt. Hintergrund zu dieser Uhrzeit ist die [vor-]urchristliche Tradition,
wonach der neue Tag bereits mit dem Einbruch der Nacht beginnt.
In der Neuzeit
Da die
Reformation die vorösterliche Fastenzeit abschaffte und somit auch die
Fastnacht ihren Sinn verlor, gerieten viele Bräuche zum Teil wieder in
Vergessenheit. Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer Mentalität.
Während ältere Fastnachten in Südwestdeutschland sich nach wie vor in
katholischen Gebieten finden lassen, ergab durch einen regelrechten
Fastnachtsboom in den 1990er Jahren, dass auch in evangelischen Gegenden
Fastnacht gefeiert wird. In der Schweiz hat
Basel einen
Sonderstatus: Die Stadt feiert trotz des seit Jahrhunderten vorherrschenden
Protestantismus eine alte, traditionelle Fastnacht.
Im Barock
und Rokoko
wurden vor allem auf
Schlössern und an den Fürstenhöfen rauschende Karnevalsfeste gefeiert,
welche sich stark an die
italienische
Commedia dell'Arte anlehnten.
Während in den
Städten vermehrt Handwerkszünfte - und dort insbesondere die jungen Gesellen
- die Fastnacht ausrichteten, übernahm im frühen 19. Jahrhundert insbesondere im
rheinischen Raum das Bürgertum die Festveranstaltung, da Zünfte in den
Spätfolgen der
Französischen Revolution und dem Einmarsch von französischen Truppen unter
Napoleon an Bedeutung verloren bzw. aufgelöst wurden. Das Bürgertum feierte
zwar nach wie vor närrische
Redouten,
die Straßenfastnacht war aber nahezu ausgestorben. So wurde zur Wiederbelebung
1823 in Köln eine neue Art der Straßenfastnacht begründet: der heutige Karneval.
Insbesondere in anderen Gebieten, d.h. vor allem in
Österreich,
der Schweiz,
dem Elsass,
Bayern und
Baden-Württemberg, erhielten sich ältere Formen. Besonders in
Baden-Württemberg wird heute somit zwischen Karneval und
schwäbisch-alemannischer Fastnacht unterschieden, nachdem sich gegen Ende
des 19. Jahrhunderts auch hier der Karneval durchsetzte, bis nach dem Ersten
Weltkrieg eine Rückbesinnung der alten Formen gefordert wurde, welche sich in
der Gründung der
Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 1924 manifestierte.
In anderen Ländern konnten sich der Fasching und der Karneval kaum
etablieren, so gerieten in
England viele
Bräuche aufgrund der Reformation
Heinrichs VIII. in Vergessenheit, die sich daher auch nicht in den
USA festigen konnten.
Als einzige Ausnahme gilt hier historisch bedingt
New
Orleans, wie bereits erwähnt.
In einem Nebengebäude des
St.Augustinus Krankenhauses in
Lendersdorf gibt es ein Karnevalsmuseum. Das offizielle Deutsche
Fastnachtsmuseum des "Bundes Deutscher Karneval" befindet sich jedoch in
Kitzingen
(Franken).In
Koblenz gibt es seit Frühjahr 2001 das Rheinische Fastnachtsmuseum Koblenz
e. V.
Quellen
- Das Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache,
Bibliographisches Institut, Mannheim, 1993
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel
Karneval aus der freien
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